Wie ihr wisst, mache ich gerade noch eine Coaching Ausbildung an der Herzfeld Akademie, die mich immer wieder an meine eigenen Grenzen und darüber hinaus bringt. Im November (ja, ich weiß, ich bin ein wenig spät dran…) hatten wir ein sehr spannendes Seminar zum Thema “Emotionsmanagement“, aus dem ich so viel mitgenommen habe, dass ich tatsächlich diese paar Wochen gebraucht habe, mich zu sammeln und für euch darüber zu schreiben.

Warum brauchen wir Emotionen?

Manchmal habe ich mit meinem Liebsten ein Verständigungsproblem. Die Situation sieht dann meist wie folgt aus: Ich sitze auf dem Sofa und echauffiere mich über XYZ (in diesem Beispiel egal und auch meist im echten Leben egal) oder aber, ich bin traurig und sitze auf dem Sofa und die Tränen rinnen mir übers Gesicht. Oft sagt er dann so etwas wie: “Schatz, das ist aber doch ganz einfach. Dann musst du einfach nur XYZ machen.” Er schlägt also ganz pragmatisch einen Lösungsansatz vor. Sehr weise und typisch Mann, aber für mich überhaupt nicht hilfreich, denn das, was ich in diesem Momenten von Wut, Trauer und auch Freude einfach nur brauche ist: Die Emotion fühlen!

Erst, wenn ich geweint habe, erst, wenn ich mich aufgeregt habe, erst, wenn ich mich so richtig gefreut habe – dann erst kann ich weiter gehen, kann ich mir Gedanken über eine Lösung machen, dann erst, kann ich mich wieder rational mit dem Thema auseinandersetzen.

Das, was ich da intuitiv und manchmal sehr zum Leidwesen des Liebsten mache, ist sehr gesund, sagt Dr. Wolf Nickel, ein Allgemeinmediziner & Trainer der Herzfeld Akademie. Emotionen sind nämlich durchaus etwas sehr körperliches, sie haben körperliche Auswirkungen und körperliche Reaktionen und sind gleichzeitig Energie. Energie, die, wenn wir sie unterdrücken erheblichen, körperlichen und auch geistigen Schaden anrichten können. Emotionen müssen ausgelebt, gefühlt und wahrgenommen werden. Sie müssen und sollten nicht in jeder Situation blind explosionsartig aus einem heraussprudeln, das ist gessellschaftlich schwierig und auf Dauer sehr anstrengend, wichtig aber ist: Die Emotionen wahrzunehmen und hinterher dann zu bearbeiten. 


Denn, auch das sagte Dr. Nickel an diesem Wochenende mehrmals: Emotionen können bearbeitet werden. Und: Emotionen machen uns unser Unterbewusstsein bewusst, Emotionen holen Bedürfnisse aus den Tiefen des Unbewussten hervor. Emotionen, die wir in bestimmten Situationen oder mit bestimmten Menschen fühlen (dürfen), können uns also auch noch viel näher zu uns selbst bringen. 

Emotionsmanagement & Wahrnehmungsschulung

Das Wochenende mit Dr. Nickel war sehr anspruchsvoll und gleichzeitig so unglaublich anregend, wir haben uns sehr intensiv mit den Funktionalitäten des Gehirns auseinander gesetzt und gelernt, unsere Wahrnehmungsfilter zu erkennen. Dr. Nickel hat uns einen sehr umfangreichen Blick auf die Entstehung von Emotionen und die Entstehung von Realität gegeben und uns sehr intensiv an das Thema Emotionsmanagement herangeführt.

Das Wichtigste, was ich aus dem Emotionsmanagement mitgenommen habe ist: Reflexion!

Stop! Think, Feel! Observe! Proceed!
Stoppe. Denke. Fühle. Beaobachte. Gehe weiter. Emotionen sollten immer ausgelebt, gespürt, reflektiert und losgelassen werden. Emotionsunterdrückung führt langfristig zu Erkrankungen.

Wenn du in der Situation, in der dich die Emotion überkommt, nicht fähig bist, dann reflektiere hinterher. Aber, Reflexion ist immer das Wichtigste. Warum hast du so gefühlt, wie du gefühlt hast? Warum hast du verletzt reagiert? Welche Verletzungen liegen dieser Emotion zu Grunde? Verletzungen sind immer nur in dir selbst. Verletzungen treffen uns nur dort, wo wir bereits einmal verletzt wurden – denn wir erkennen nur, was wir bereits kennen, meist aus der Kindheit. Natürlich können auch neue Traumata entstehen, die wiederum zu Verletzungen führen können, doch in der Regel sind Emotionen, die auf Verletzungen basieren, ein Zeichen dafür, dass alte Wunden aufgerissen wurden. Dann ist es für dich ein Zeichen dafür, einmal dort genauer hinzuschauen.

Was aber tun mit den Emotionen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten des aktiven Emotionsmanagements. Einiges davon wenden wir natürlich im Coaching an, anderes kannst du auch alleine machen. 

Zum Beispiel durch Achtsamkeit. Achtsam mit der Emotion umzugehen, bedeutet, innezuhalten und die Emotion richtig und eingehend zu fühlen. So tief und umfassend zu fühlen, dass sie dich ganz beherrscht. Sprich mit der Emotion: “Meine (Wut) ich spüre dich. Was kann ich für dich tun? Warum bist du hier?” Konzentriere dich darauf, ganz in dem Gefühl zu bleiben und gleichzeitig mit deinem Herzen die Ursachen, die Ur-Gründe für diese Emotion zu finden. Warum bist du wütend? An was erinnert dich diese Situation? Welche Bilder, Gefühle, Situationen aus deiner Vergangenheit kommen hoch? 

Wenn du die Emotion ganz und gar gespürt und gefühlt hast und vielleicht auch vergangene Situationen oder Ursprünge dieses Gefühls gefunden hast, dann lasse sie los. Sprich zu ihr: “Liebe (Wut), ich danke dir. Ich habe verstanden, warum du da bist. Du kannst jetzt gehen.”

Danach solltest du deine Haltung ändern. Es hilft nicht sehr viel, wenn du im Anschluss immer noch wütend bist. Du kannst zum Beispiel versuchen, dein Gegenüber zu verstehen oder Gründe zu finden, warum die Situation gar nicht so blöd war, wie du dachtest. Gib dir selbst Zeit und überfordere dich nicht damit!

The Work of Byron Katie

Byron Katie litt jahrelang unter einer schweren Depression, an manchen Tagen konnte sie nicht einmal aus ihrem Bett aufstehen. Doch eines Morgens hatte sie eine Eingebung, sie verstand, dass ihre Gedanken sie leiden ließen. Sie erkannte, dass sie litt, wenn sie ihren Gedanken glaubte und nicht mehr litt, wenn sie diese als unwahr begriff. Denn nicht die Welt um so herum war schlecht, sondern ihre Überzeugungen über die Welt bildeten die Grundlage ihrere Depression. Sie erkannte, dass es nicht darum geht, die Welt zu verändern, sondern unsere Gedanken von der Welt und von uns zu hinterfragen und diese Gedanken zu verändern. 

Die Realität ist nur das, was wir daraus machen. Wenn wir anerkennen, was ist und, wie es ist, dann können wir Frieden und Liebe in uns selbst finden. Stress aber und das Gedankenkarussell triggern unsere Schwächen und machen unsere Gedanken zu unseren Feinden. Wenn du etwas als wahr erkennst, dann hat das Konsequenzen auf dich, selbst, wenn es überhaupt nicht wahr ist.

Daraus hat Byron Katie eine Methode entwickelt, welche sie “The Work” nennt, es ist eine Meditationsform, die dir Klarheit über dich und deine Gedanken bringt. Konsequenz schafft Klarheit und Klarheit schafft inneren Frieden. The Work ist übrigens, wie der Name bereits sagt, harte Arbeit und kann sehr langwierig sein, je nachdem, wie tief die Dinge festsitzen. Doch gleichzeitig ist The Work lebensverändernd.

The Work besteht aus 4 Fragen, die es alle in sich haben. Es geht darum, deine Gedanken über dich, die Welt oder bestimmte Dinge als “unwahr” herauszufiltern und im Abschluss diese Gedanken umzukehren. Die Fragen zu The Work kannst du dir hier herunterladen: The Work Fragen und den Prozess findest du hier sehr ausführlich beschrieben: The Work Prozess Begleitung. Hier findest du ein weiteres Arbeitsblatt: Urteile über deinen Nächsten

“Die meisten Menschen denken, sie sind das, was ihre Gedanken ihnen sagen, dass sie es seien.” (The Work Byron Katie, eine Einführung) 

Sympathikus & Parasympathikus in Balance: Die 4-Sekunden-Atmung

Ohne, dass ihr es gemerkt habt, habe ich euch doch schon einiges aus diesem Modul weitergegeben, nämlich in meinem Artikel zur “4 Sekunden Atmung”, dieses ist eine ganz einfache und sehr effektive Meditation, die gezielt eine Regulierung von Sympathikus und Parasympathikus zur Folge hat. Das ist wirklich so spannend! Den Artikel solltet ihr unbedingt im Anschluss noch lesen – und dann auch anwenden. Erst mal reichen 5 Minuten am Tag: Und, ich sage euch, 5 Minuten können ganz schön lang sein…

 

Nora Hodeige

Nora weiß, wie man sich mit der Diagnose Histaminintoleranz fühlt. Für dich ist sie daher immer auf der Suche nach histaminarmen Rezepten, gesunder Ernährung und so viel Entspannung wie möglich, damit auch du bald wieder essen kannst, was du möchtest. Mit ihren Tipps für Entspannung, Ernährung & Entgiftung auf allen Ebenen kannst du auch deinen Körper zurück zu einem gesunden Zustand führen: In Balance mit Körper, Seele und Geist.
Nora Hodeige