Saure Gurken, Pommes mit Nutella, mitten in der Nacht Vanilleeis mit frischer Ananas? Schwangere kommen schon auf komische Ideen. Meine Gelüste heißen: Tomaten am Liebsten in Form von Soße, frische Erdbeeren, selbstgemachte Zitronenlimonade, richtig saure Maracuja, gebratene Auberginen, frische Paprika und alles, was ich sonst nicht essen darf!!!

UPDATE: Nein, ich bin nicht schon wieder schwanger. Ich bin nur reicher an Erkenntnissen geworden, die ich hier zusammengefasst habe. Dieser Artikel ist im “Original” während meiner Schwangerschaft im Mai 2014 erschienen.

Histamin? Was war das noch einmal? Und, was konnte ich da alles nicht essen? Ich erinnere mich kaum noch daran, die Liste ist fast vollständig aus meinem Kopf gelöscht (Schwangerschafts-Demenz würde ich sagen) und auch die Symtpome fühlen sich an, wie Erzählungen aus einem anderen Zeit- und Raumgefüge. Ich kann es nicht mehr spüren, nur noch mit meinem Verstand erfassen. Was aber ist passiert? Ich bin schwanger!  Und, man höre und staune, alleine diese Tatsache macht mich zu einer plötzlichen und sehr glücklichen Alles-Esserin. Doch, woran liegt das eigentlich genau?

Histaminintoleranz und Schwangerschaft

Zu viel Histamin im Körper ist schädlich für das ungeborene Kind. Ein erhöhter Histaminspiegel lässt das Risiko einer Fehlgeburt und vorzeitiger Wehen ansteigen. Das Problem hat jede Schwangere, ob sie nun eine Histaminunverträglichkeit hat oder nicht.

Daher bildet der Körper ab dem 3. Monat vermehrt das Enzym Diaminoxidase (DAO), welches für den Abtransport von Histamin im Körper verantwortlich ist. Das Enzym wird direkt in der Plazenta produziert und der Histaminspiegel im Körper der Schwangeren senkt sich merklich – gleichzeitig ist das Kind richtig gut versorgt. Somit geschieht es, dass viele Schwangere, die vorher unter einer Histamintolernaz gelitten haben, in der Schwangerschaft damit kaum oder gar keine Probleme mehr haben. Allerdings nimmt der Histaminspiegel direkt nach der Geburt wieder rasant zu und es kann sein, dass die Symptome danach wiederkehren. Manchmal schützt das Stillen noch für ein paar Tage, Wochen oder gar Monate.


Der besondere Zustand in der Schwangerschaft

Schwangere in SW Schwangerschaft und HistaminintoleranzNach den ersten 3 Monaten wird in der Plazenta vermehr das Histaminabbauende Enzym DAO produziert. Dieser Umstand führt dazu, dass bei einem Großteil der Schwangeren die histaminbedingten Beschwerden (nicht bei allen!! Leider!) zurückgehen oder gänzlich aufhören. Ein Übermaß an Histamin kann bei einem Ungeborenen zu einem vorzeitigen Abgang führen – daher sollte in den ersten 3 Monaten eine sehr strenge histaminarme Diät gehalten werden. Danach kann vorsichtig einiges ausprobiert werden. Die Plazenta produziert so viel DAO, um das Ungeborene vor Histamin zu schützen und versorgt dabei die Mutter mit Unmengen davon, daher kann diese plötzlich mit Histamin viel besser umgehen. Auch Stress kann im Zweifel besser vertragen und verarbeitet werden (abgesehen von den „fiesen kleinen Hormonen“, die bei Schwangeren den ganzen Tag ihr Unwesen treiben).

VORSICHT

Dieser positive Effekt kommt nur vor, wenn das fehlende DAO das Problem der Histaminunverträglichkeit und daraus resultierender Beschwerden ist. Bei einer Mastzellenaktivierungserkrankung sowie einem Mangel an HNMT und einer daraus resultierenden Histaminunverträglichkeit bleibt der Effekt leider aus!

Daher sollte entweder nur ganz vorsichtig getestet werden, ob eventuell einige Lebensmittel besser vertragen werden – oder es sollte (eventuell schon vorher) ein Test gemacht werden, ob DAO oder HNMT Mangel besteht. Eine Mastzellenaktivierungserkrankung muss in jedem Fall anders behandelt werden und lässt sich sowieso nicht alleine durch eine histaminarme Diät beheben. 

Folsäure, Jod und was soll/kann ich einnehmen?

Das ist eine schwierige Frage und jede Schwangere sollte da selbstverständlich ganz nach ihrem Gefühl gehen. Wenn du denkst, dein Baby braucht Folsäure und Jod, dann solltest du es ihm geben. Wichtig ist immer, auf Qualität zu achten. Die meisten von den Frauenärzten verschriebenen Präparate beinhalten Zusatzstoffe und häufig den künstlichen Wirkstoff – greife eventuell lieber auf natürliche und bioverfügbare Nahrungsergänzungsmittel zurück. Ich habe in meiner Schwangerschaft das Kombi Präparat Orthopregna eingenommen, welches mir meine Hausärztin empfohlen hat. Es ist dort ALLES (und ja es ist viel) wichtige vorhanden. Auf Jod habe ich dennoch fast vollständig verzichtet, weil es mir mit der Schilddrüsenentzündung sehr schlecht getan hat. Aber diese Entscheidung musst du als Mutter selbst treffen und auch sehen, wie es dir mit den Präparaten geht. 

Bekommt mein Kind auch HIT oder andere Allergien?

Die gute Nachricht ist: Du kannst etwas dafür tun, dass dein Kind unanfälliger für Allergien oder Unverträglichkeiten ist. Nämlich, seinen Darm stärken!

Da der Darm eines der wichtigsten (wenn nicht DAS wichtigste) Organ für die Unterstützung des Immunsystems und deiner Gesundheit ist, solltest du auch bei deinem Baby darauf achten, dass der Darm sich optimal aufbauen kann.

Folgende „Maßnahmen“ sind dabei eine große Hilfe

  • .Dein Baby bekommt bei der Geburt (nur spontane Geburt, nicht Kaiserschnitt) deine Darmbakterien ab, was gut und wichtig für sein Immunsystem ist. Je besser diese Bakterien, die du ihm weitergibst, umso gesünder dein Darm. Daher solltest du deinen Darm spätenstens ab 36. Woche mit Probiotika aufbauen. 
  • Ab dem Zeitpunkt der Geburt, kannst du dann deinem Baby Probiotika zur Unterstützung seines kleinen Darmes, der sich in den ersten 5 Monaten nach der Geburt erst vollständig ausgebildet hat – und kannst ihm so zu einer gesunden Darmflora und einem gesunden Immunsystem helfen. Achte darauf, dass die probiotischen Bakterien babytauglich sind, es gibt zum Beispiel von der Firma Omnibiotic ein speziell für Neugeborene in den ersten 3 Monaten entwickeltes ProbiotikumOmni Biotic Panda Pulver – , das du deinem Mäuschen in etwas Muttermilch oder Wasser (1EL) gelöst mit einer Pipette direkt in den Mund geben kannst. Wenn dein Baby ein Fläschchen bekommt, kannst du das Pulver auch dort hinein geben – vorsicht, die Bakterien dürfen nicht wärmer als auf 40 Grad erhitzt werden. 
  • Die Gabe von Omnibiotic Panda für den Zeitraum von 3 Monaten ist optimal für eine gesunde Darmflora deines Babys. Auch für die berühmten 3 Monatskoliken kann diese präventive Eingabe sehr hilfreich sein.

Fehlgeburten durch Histaminintoleranz?

Wenn eine Histaminunverträglichkeit nicht bekannt ist und die Neu-Schwangere in den ersten drei Monaten sehr viel Histamin zu sich nimmt oder besonders viel Stress ausgesetzt ist, kann es tatsächlich zu einem histaminbedingten Abgang des Fötus kommen. Ob die Fruchtbarkeit auch von einer Histaminintoleranz betroffen ist, lässt sich nicht nachweisen. Einige Betroffene berichten, dass sie erst schwanger werden konnten, nachdem sie die Diagnose hatten und sich histaminarm ernährten. Wenn wir uns den Zusammenhang zwischen Histaminüberschuss und der Gefahr eines Abgangs vor Augen führen, kann es Sinn machen, dass auch ein zu volles Histaminfass keine gute Voraussetzung überhaupt für eine Schwangerschaft sein mag. Eine histaminarme Diät kann eine Möglichkeit sein, die sich bei einem unerfüllten Kinderwunsch anbieten mag, um eventuell die Bereitschaft des Körpers für eine Schwangerschaft zu steigern.

Hormonstatus bei Frauen mit Histaminintoleranz

Frauen mit Histaminintoleranz sollten regelmäßig einen Hormonstatus durchführen, besonders, wenn sie, wie ich, auch noch Probleme mit der Schilddrüse haben. Histamin wird bei Frauen im Uterus und den Eierstöcken produziert, so ist eine Verbindung zum weiblichen Hormonsystem verständlich – so zum Beispiel auf bei den Themen Pille (und ihre Unverträglichkeit), PMS, Pubertät sowie Menopause und eben Schwangerschaft. 

Hormonstatus regelmäßig machen lassen

Ein Hormonstatus ist demnach regelmäßig eine sehr sinnvolle Geschichte für Frauen mit einer Histamin Unverträglichkeit – im besten Fall per Speichelanalyse und natürlich immer in Zusammenarbeit mit einem Arzt. Der Speichel ist so etwas wie das konzentrierte Blut (ohne den ganzen „Kram“), dort können .Mangelerscheinungen und Ungleichgewichte im Hormonhaushalt zuverlässig und meist früher als im Blut abgelesen werden.

Eine Histaminintoleranz hat einen starken Zusammenhang zu hormonellen Veränderungen. So können Phasen einer hormonellen Umstrukturierung (Pubertät, Schwangerschaft, Schilddrüsenerkrankungen, Wechseljahre) besonders bei Frauen zu einer Entstehung von einer Histamin Unverträglichkeit führen. Eine Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen kann angebracht sein, dafür ist ein Arzt zuständig – am besten einen Experten für bioidentische Hormontherapie suchen, denn künstliche Hormone werden vom Körper lange nicht so gut aufgenommen und im schlechtesten Fall wird der Körper durch Zusatzstoffe belastet.

Eine Schwangerschaft kann kurzfristig zu einem Rückgang der Beschwerden führen (wenn die Histaminintoleranz durch einen DAO Mangel ausgelöst wurde) und auch langfristig durch die Hormonumstellung einen guten Einfluss auf die Histamin-Verträglichkeit haben.

Meine persönlichen Erfahrungen in der Schwangerschaft


Histaminintoleranz und Schwangerschaft Schwanger seinDie ersten drei Monate
war ich wirklich sehr vorsichtig. Dies sind ja auch die Monate, die allgemein als besonder gefährlich gelten und in denen es leider (immer mal wieder) zu einem Abgang kommen kann. Ein erhöhter Histaminspiegel kann seinen Teil dazu beitragen. 

Aber ab Monat 4, also nach der 12. Woche, hab ich mal das eine oder andere probiert. Los ging es mit Hefe und meinen geliebten Zimtschnecken – allerdings vom Biobäcker, damit wenigstens nicht noch mehr Unfug drin ist. Schwanger sein ist toll und vieles wieder essen können trotz Histaminintoleranz ist noch viel besser! Ich glaube, auch deswegen, war es eine der schönsten Zeiten meines Lebens: Mein Hormonsystem war super gut eingestellt und mein Geist und ich waren glücklich, ich konnte alles essen und war sehr verliebt, in das Leben, in den Liebsten und in das kleine, noch unbekannte Etwas, das da friedlich in meinem Bauch vor sich hin wuchs.

Ich persönlich habe die großen Hoffnung, dass AUCH durch die gesamte Hormonumstellung sich mein Immunsystem einfach damit anfreundet, Histamin wieder toll zu finde – damit ich auch danach frisches und leckeres Obst, Käse sowie Wurstprodukte essen kann. Ein bisschen schade ist es schon, dass mein Liebster seine Liebe nicht durch nächtliche Wanderungen zum Kiosk auf der Jagd nach Schokolade beweisen kann. Auch muss er sich, von wenigen Heulattacken abgesehen, selten mit hormongeschwängerter Laune meinerseits herum schlagen, großflächig ist es nur der ganz normale Wahnsinn, mit dem er schon einige Jahre sehr gut zurecht kommt.

Ein bisschen übermäßig mag meine momentane Vorliebe für Essig und Zitronensaft sein, Süßes finde ich generell eher anstrengend: Am Liebsten sind mir Maracujas, Ananas, Nektarinen und alles mit einem guten Schuss Limettensaft. Wenn ich doch einmal richtig Lust auf etwas bestimmtes zu essen habe, dann ziehen wir los und, wenn wir es nicht finden, dann geht die Lust auch schnell wieder vorbei. Eigentlich ist das doch auch ziemlich schade… Am Liebsten koche und backe ich übrigens das nach, was Menschen in meiner Umgebung sich überlegen. Wenn ich also beim Metzger stehen und vor mir überlegt eine Frau, Rinderrouladen zu machen, dann mache ich das auch. Wenn in meinem Buch etwas gegessen wird, dann kommt das bei uns abends auch auf den Tisch. Das nennt man sicherlich: Kontakt essen! 😀 

Mh…jetzt, wo ich so darüber nachdenke: So ein paar Erdbeeren sind schon immer etwas feines …dieses Jahr noch nicht genug davon gegessen habe…wer weiß, wann es wieder so weit ist. Ich glaub, ich muss unbedingt eine Biskuitrolle mit Erdbeeren machen. Jetzt, gleich, sofort. (Ist schon passiert und könnt ihr hier lesen!)

Eure Erfahrungen sind gefragt?

Bist du schwanger? Oder schwanger gewesen? Welche Erfahrungen hast du gemacht? 

 

Nora Hodeige

Nora weiß, wie man sich mit der Diagnose Histaminintoleranz fühlt. Für dich ist sie daher immer auf der Suche nach histaminarmen Rezepten, gesunder Ernährung und so viel Entspannung wie möglich, damit auch du bald wieder essen kannst, was du möchtest. Mit ihren Tipps für Entspannung, Ernährung & Entgiftung auf allen Ebenen kannst du auch deinen Körper zurück zu einem gesunden Zustand führen: In Balance mit Körper, Seele und Geist.
Nora Hodeige

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