Direkt neben dem Treptower Park findet sich eine Oase des kulinarischen Genusses: der Botanische Salon. Ela Papen und Jana Plewa haben eine Kochschule für die feine Rohkostküche gegründet, in der man außerdem lernen kann, wie die unterschiedlichen Nahrungsmittel auf den eigenen Körper wirken. Der Botanische Salon gehört zur Alge Akademie: Alle lieben gesundes Essen, einem Zusammenschluss von engagierten Menschen, die gesunde Ernährung und das gesunde Leben in die Gesellschaft tragen wollen.

Für Leben mit ohne hat sich Cornelia Altenburg von schoeneworte.com mit Jana Plewa voom Botanischen Salon über die Botanische Cuisine und ihre Vorzüge unterhalten.  
(Interview & Text: Dr. Cornelia Altenburg)

Jana Plewa Botanischer Salon im Gesrpäch

Wie ist es dazu gekommen, dass Ihr eine Kochschule für Rohkostküche gegründet habt?

Das war ein langer Prozess. Durch Krankheiten in der Familie und im Bekanntenkreis, die mit schulmedizinischen Mitteln nicht geheilt werden konnten, wurden wir für das sensibilisiert, was wir täglich zu uns nehmen. Ich selbst habe seit frühester Kindheit Migräne. Nach vielen Untersuchungen stand fest, dass das einzige Mittel Schmerztabletten sein sollen. Ich habe immer nur Wenige genommen und dennoch bekam ich dann vor etwa acht Jahren die Diagnose: schwere irreversible Nierenschädigung! Die Ärztin konnte es selbst nicht fassen. Der nächste Schritt wäre dann Dialyse gewesen. Man bot mir andere Schmerzmittel an, aber da habe ich gesagt: Ich habe mir gerade offenkundig Organe ruiniert, jetzt werde ich nicht an die nächsten Organe rangehen. Natürlich kam sofort eine Migräneattacke und ich fing an, nach Naturheilmitteln zu suchen. Ich habe zunächst geschaut, was ich eigentlich in meinen Körper packe, und angefangen, die Zutatenlisten auf den Lebensmittelverpackungen zu lesen. Das ist auch das erste, was ich hier in meinen Beratungen empfehle: Lesen!

Ich habe festgestellt, dass ich das alles gar nicht kaufen kann. Alles war schon mal in den Medien wegen irgendeinem Lebensmittelskandal. Eines Tages meinte eine Freundin, die wusste, dass ich viel Milch konsumiere: Die soll ja auch nicht so gut sein – ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Als ich dann ein Buch dazu gelesen habe, ist mein komplettes Weltbild zusammengestürzt. Ein bisschen wie der Moment in der Trueman-Show, als der Hauptdarsteller hinter die Kulissen schaut.


Wie kam es ganz konkret zum Botanischen Salon und was ist Eure Vision?

Ela Papen und ich wollten uns schon seit vielen Jahren selbständig machen. Es war klar, dass es etwas zum Thema Ernährung sein sollte, weil es so zentral ist, in alle Bereiche geht und ein Fass ohne Boden. Ich habe eine Ausbildung zur Gesundheitsernährung absolviert. Da gibt es ja ganz viele Formen von Fünf-Elemente über Ayurveda, über Vollwert, eben Rohkost, bis hin zur Makrobiotik, die alle im Herzen etwas gemein haben. Rohkost heißt vor allem, Nahrung in ihrer möglichst natürlichen Form, möglichst unverarbeitet zu verzehren. Der weiteste Weg weg von den industriellen Nahrungsmitteln, die uns krank machen. Und das ist auch der Weg, der sich mir aufgezeigt hat.

Jana Plewa Botanischer SalonUrsprünglich wollten wir direkt an der Ostsee gründen oder auf dem Land. Als geborene Berliner wussten wir allerdings hier natürlich, wie alles funktioniert. Und in der Woche, in der die Entscheidung gefallen ist, dass wir in Berlin anfangen wollen, waren diese Räume hier plötzlich annonciert. Da war klar: Das müssen wir hier machen!

Inzwischen hat sich unser Traum von der Ostsee weiter ausgeformt und wir werden in diesem Jahr noch hoch gehen. Ich bin privat schon an die See gezogen. Räume haben wir noch nicht gefunden, aber wir sind zunächst einfach mobil unterwegs. In Berlin sind wir ja auch in Firmen gegangen. An der Ostsee wird es vor allem um unser Kernkonzept gehen: das naturtherapeutische Saftkurfasten, wo man frisch gepresste Säfte, ganz spezielle gesunde Säfte herstellt, den Körper mit Nährstoffen flutet, absolut die Verdauung entlastet und gleichzeitig noch am Meer spazieren gehen kann oder im Nationalpark und die Kiefernluft einatmen, das ist einfach schön!

Was macht Ihr mit dem Botanischen Salon?

Das ist noch geheim. Der Botanische Salon existiert weiter als Marke und wir nehmen die Webseite mit, aber der Raum wird erst einmal eine kurze Pause haben. Uns interessiert der gesundheitliche Aspekt.

Ist Rohkost so gesund, dass das jeder machen sollte?

Sollen muss keiner, es gibt einfach ganz bestimmte Dinge an der unverarbeiteten naturnahen Ernährung, die für den Körper extrem wichtig sind. Ganz oben stehen die Nährstoffe – auch Vitalstoffe genannt. Ganz wichtig sind die Enzyme, die extrem hitzeempfindlich sind und zwischen 37 und 57 Grad absterben. Die Enzyme brauchen wir essentiell zum Leben. Der Körper produziert selbst sehr viele. Wenn wir rohe Nahrung zu uns nehmen, dann sind da bereits die Enzyme drin, die beim Verdauen dessen, was wir essen, helfen. Genial von der Natur ausgedacht! Das funktioniert aber eben nur, wenn die Nahrungsmittel möglichst frisch und natürlich sind. Der Apfelsaft ist ein gutes Beispiel. Frisch gepresster, unbehandelter Apfelsaft, frisch getrunken, enthält die Enzyme, die dem Körper helfen, das umzubrechen, so dass wir keine Probleme haben, wenn wir das konsumieren.

Botanischer Salon Titel

Wenn wir einen Saft haben, der mit Hitze oder im Hochdruckverfahren (HPP High Pressure Pasteurization) behandelt ist, dann hat der Körper Probleme, das umzuwandeln, weil ihm die dazugehörigen Enzyme fehlen. Deswegen kann man sich gerade mit den gekauften Säften sehr viel Schlechtes tun. Sie enthalten auch sehr viel Fruchtzucker. Die Nährstoffkurve geht runter, je länger so ein Saft steht. Wenn man einen frisch gepressten Saft sofort trinkt, kriegt man die ganze Ladung. Am Eiweiß vom Ei kann man deutlich sehen, dass beim Erhitzen außerdem chemische Umwandlungsprozesse stattfinden. Es wird von fast durchsichtig und flüssig zu hart und weiß. Sauerstoff ist außerdem sehr wichtig. Wir können ihn mit dem Atem aufnehmen, was wir ohnehin wenig tun, da wir viel in Räumen sind und nicht mehr so tief atmen, weil wir nicht mehr so schwer arbeiten. Man kann den Sauerstoff auch mit Säften aufnehmen, weil Chlorophyll sehr sauerstoffreich ist und alles was roh ist, enthält Sauerstoff. Bei Verarbeitungsprozessen entweicht dieser Sauerstoff. Wir möchten aber mehr Sauerstoff in uns haben und nicht weniger.

Und dann hat man natürlich diese unglaublich tolle Flüssigkeit in Gemüse, Salaten und frischen Säften: Das ist das beste organische Wasser, das sich in diesen frischen Dingen befindet. Ein strukturierteres, vitaleres Wasser kriegt man nicht. Das ist von Natur aus zellgängig. Alle diese Dinge gehen verloren bei Verarbeitungsprozessen, bei Kochprozessen; zudem ändert sich die Zusammensetzung und durch scharfes Anbraten entstehen zusätzlich krebserregende Stoffe.

Rohkost bedeutet übrigens für die meisten Rohköstler nicht 100 Prozent Rohkost; meistens sind es 70 oder 80 Prozent Rohkost. Ich würde auch gar nicht einem strikten Rahmen herangehen. Bei den Tauben in Berlin, die sich von unseren Abfällen ernähren, kann man ganz deutlich sehen, was die industriell hergestellten Lebensmittel mit Lebewesen macht. Sie sehen ganz strubbelig aus und man nimmt am liebsten Reißaus, wenn man sie sieht. An der Ostsee hingegen gibt es unfassbar schöne Tauben!

Ist es für Dich denkbar, dass es eine Typfrage ist? Könnte man sagen, dass manche Menschen das gekochte Essen brauchen, weil ihr Körper das gar nicht schafft?

Dass der Körper das gar nicht schafft, bedeutet schon, dass es Probleme gibt. Tatsächlich gibt es manche Leute, die sagen, dass Rohkost nicht verträglich ist. Und tatsächlich kann man sich wahnsinnig schlecht rohköstlich ernähren. Wenn man schon ein degeneriertes
Verdauungssystem mit einer angegriffenen Darmschleimhaut hat, was wahrscheinlich auf die meisten von zutrifft – zumindest alle, die unter Allergien leiden oder histaminintolerant sind – dann gibt es auch das Problem, dass die Nährstoffe aus der Nahrung vom Darm nicht mehr richtig aufgenommen werden können. Viele Menschen sind voll gegessen und leiden trotzdem unter Nährstoffmangel. Das liegt einerseits an der Qualität der Nahrungsmittel, die man zu sich nimmt, und zum andern haben wir das Kauen verlernt. Es gibt einen ganz einfachen Spruch, den ich auch in meiner Beratung hier immer sage: Drink your food and chew your liquids. Säfte und Smoothies sollte man immer lange im Mund behalten, gut mit dem Speichel vermengen, damit die Enzyme arbeiten können. Feste Speisen sollte man am Besten so häufig kauen, bis sie flüssig sind. Das ist total anstrengend. Aber einerseits können die Nährstoffe besser aufgenommen werden und andererseits hat das Darmsystem nicht so dicke Brocken, mit denen es kaum umgehen kann.Wir haben das total verlernt, richtig zu kauen.

Botanischer Salon Trink

Wenn man das macht, merkt man überhaupt erst, wie viel mehr Geschmäcker in der Nahrung sind!

Ja, aber nur bei guter Nahrung. Ein klassisches Beispiel bei meiner Ausbildung waren die Kartoffelchips. Da sollten wir einen konventionellen und einen Bio-Kartoffelchip testen. Der Konventionelle hat sofort einen Geschmackskick; wenn man den lange kaut, dann wird der immer pappiger und fast eklig. Bei dem Bio-Kartoffelchip ist das beim ersten Kauen nicht so lecker, aber dann kommt immer mehr Kartoffel und Gewürzgeschmack. Die Lebensmittelkonzerne haben sich darauf eingestellt, dass die meisten Menschen nicht öfter als drei Mal kauen. Dann muss das natürlich sofort knallen. Entsprechend sind viele Lebensmittel entwickelt. Völlig absurd! Den natürlichen Geschmack von natürlichen Lebensmitteln müssen wir erst lernen, das geht aber erfahrungsgemäß schnell.

Wenn man seine Ernährung umstellt, schmeckt man innerhalb von zwei, drei Wochen Dinge, die man vorher nicht geschmeckt hat. Und das, was einem gut zuvor geschmeckt hat, schmeckt plötzlich viel zu stark und intensiv. An erster Stelle steht eine Darmsanierung bei einem degenerierten Darmsystem. Und dann muss gekaut und gekaut werden, damit der Magen und die nachfolgenden Organe überhaupt wissen, was da kommt. Brocken und große Dinge sind nicht zuträglich, dann fault das und gärt und bringt all die Stoffe, die uns von innen vergiften. Wir müssen noch nicht einmal etwas Schlechtes essen; auch wenn wir das gute Essen schlecht gegessen haben, fängt es an, in unserem Körper sein Unwesen zu treiben. Nicht, weil der Körper uns was Böses will; das ist ein geniales, selbstregulierendes System, wenn es gelassen und so genutzt wird, wie es von der Natur ausgelegt ist. Und das gilt es wieder für sich zu entdecken und zu sehen. Dafür muss man offen sein und sich darauf freuen.

Jana Plewa Cornelia Altenburg

Wenn man mal angefangen hat, sich umzustellen, wird man wahrscheinlich auch mal wieder die anderen Dinge essen, aber schnell merken, dass einem das nicht gut tut. Die ganzen Sachen, die man vorher für gegeben genommen hat, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder schlechte Laune am frühen Morgen, die man überhaupt nicht mit Ernährung in Verbindung gebracht hat, lernt man dadurch, auf seine Ernährung zurück zu führen. Es hängt davon ab, was ich esse. Stress kommt natürlich dazu, aber dem Stresspegel kann man besser und gelassener begegnen, wen man seinen Körper gut pflegt. Diese Sensibilität, die lernt man bei so einer Ernährung und die verliert man auch nicht wieder.

Mit dem Stress sind wir ja schon fast bei der Histaminintoleranz. Was empfiehlst Du da?

Histaminintoleranz ist ein Ausdruck dessen, dass die Darmschleimhaut angegriffen ist. Denn der Darm produziert zu wenig DAO, um Histamine richtig abzubauen. Das führt zu diesen Ausbrüchen wie bei Allergien auch. Es bedeutet, dass der Darm geschädigt ist. Es gibt inzwischen viele Studien, die aufzeigen, welche Nahrungsmittel Darmschädigungen verursachen. Erst mal gehört es für histaminintolerante Menschen dazu, diese darmschädigenden Nahrungsmittel komplett zu meiden, um den Darm zu sanieren. Die Darmschleimhaut kann wieder hergestellt werden, es gibt also Hoffnung!

Dazu muss man allerdings eine Weile sehr konsequent sein. Sobald man wieder etwas Schädigendes zu sich nimmt, ist das wie ein Entzündungsfeuer, das losbricht. Zu den schädigenden Lebensmitteln zählt der heutige Hochleistungsweizen. Bei den Züchtungen ging es vor allem darum, dass der Weizen noch besser von noch größeren Maschinen geerntet werden kann, nicht darum, wie er gut für den Menschen ist. Wie dieser Klebereiweiß wirkt kann man an folgendem Bild sehr gut verdeutlichen: So erzählte eine Müllerin aus Berlin, deren Familie seit Generationen mahlt: „Seit letztem Jahr kann ich den Weizen nicht mehr mahlen. Die Mühlsteine verkleben so sehr, dass ich sie kaum noch sauber bekomme.“

Botanischer Salon Jana Plewa
Auf Gluten sollte man bei Histaminintoleranz zunächst ganz verzichten, aber es gibt auch viele tolle andere Lebensmittel, die man zu sich nehmen kann und die den Körper viel besser nähren, auch wenn das für viele Menschen in unserer Brotgesellschaft erst Mal eine schreckliche Vorstellung ist. Auch die moderne Milch, die homogenisiert und pasteurisiert ist, ist ein Problem. Es ist ein vollkommen anderer Stoff, als die Milch, die die Menschen vor 200 Jahren zu sich genommen haben. Man kann also ausprobieren, ob man mit Rohmilchprodukten klar kommt. Generell kann man heute gar nicht pauschal sagen: Dieses Lebensmittel ist gesund und jenes nicht. Tatsächlich entscheidet darüber, ob das Lebensmittel aus konventionellem Anbau oder aus Bioanbau ist, ob es eine neue Züchtung oder eine alte Sorte ist. Alle diese Dinge tragen dazu bei, hochqualitative Lebensmittel zu finden. Mein Pauschalurteil ist allerdings: Möglichst industriell verarbeitete Nahrung vermeiden! Der Bioladen ist der erste Schritt, aber auch da gibt es wahnsinnig viele industriell verarbeitete Dinge.

Immerhin nimmt man nicht diese ganzen Giftstoffe zu sich. Glyphosat ist ja gerade in der Presse gewesen. Es kommt aus einem Pestizid, das sich Roundup nennt und von Monsanto entwickelt wurde. Wenn man das ausstreut, macht es alles tot. Damit die Nutzpflanze trotzdem überlebt, wird die Pflanze genetisch so verändert, dass sie dieses Gift selbst in sich trägt.

Du bist jetzt wahrscheinlich medikamentenfrei?

Ich habe nie wieder eine Schmerztablette angerührt.

Und die Nieren?

Meine Nieren sind seit zwei Jahren wieder im Normalbereich, obwohl der Arzt damals sagte, es sei irreversibel. Aber da tut sich was: Inzwischen interessieren sich immer mehr Ärzte für ganzheitliche Ansätze, weil sie frustriert sind, dass sie oft keine Lösungen anbieten können. Vielen Dank, Jana, für das spannende Gespräch! Wir wünschen Euch einen guten Start an der Ostsee und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen im Botanischen Salon!

Jana Plewa Botanischer Salon Interview

Dr. Cornelia Altenburg

Texterin & Schreibtrainerin bei Schöne Worte
Cornelia lebt für den Genuss von schönen Worten und von kulinarischen Köstlichkeiten. Als Historikerin, Texterin und Schreibtrainerin beschäftigt sie sich mit dem guten, nachhaltigen Leben. Immer neuen Gaumenfreuden ist sie in ihrer Wahlheimat Berlin auf der Spur.
Dr. Cornelia Altenburg

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