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In 3 schritten zu einem gesunden darm!

“Das war mein großes Glück” – Alma erzählt ihre Geschichte

Feb 8, 2017

Heute habe ich für dich einen ganz persönlichen Gastbeitrag. Alma erzählt euch heute von ihrem Leben und ihrem Weg mit der Histaminintoleranz. Ich möchte euch bitten, schreibt Alma ein paar liebe Worte zu ihrere Geschichte! Seid empathisch, seid mitfühlsam und teilt auch eure Lehren, die euch das Leben bereitet hat. 
Hallo, ich bin Alma, 23 Jahre alt, studiere Bildung und Erziehung in der Kindheit und habe eine Histaminintoleranz, genau wie einige von euch. Ich würde euch gerne meine Geschichte erzählen, vielleicht habt ihr Lust davon zu lesen.
 
Dass es mir schlecht ging fing schon 2011/12 in meiner Abizeit an. Meine Eltern haben sich getrennt, meine Mutter ist ausgezogen, mein Vater hatte eine neue Freundin. Dazu kam der Abistress, obwohl ich und meine Eltern mir nie Druck gemacht haben. Vielmehr habe ich Zukunftsstress gehabt – auf einmal Abi und was dann? Wollte ich doch einfach nur, dass alles so bleibt, wie es war. Allem voran das plötzlich zerrütteteElternhaus, wo das Zuhause auf einmal fremd ist, weil etwas fehlt. Ich war ständig abgeschlagen, mir wurde urplötzlich schlecht, sodass ich nachts aufgewacht bin und nicht mehr schlafen konnte. Am schlimmsten war aber diese ständige Müdigkeit und Lustlosigkeit. Mir fehlte jede Energie. Ich bin aufgestanden und wäre nach dem Frühstück am Liebsten wieder ins Bett gegangen. Beim Arzt wurde bei mir dann „psychischesErschöpfungssyndrom“ diagnostiziert, was der Ärztin nach ganz klar sei, neben all dem Klausurenstress und den sich trennenden Eltern. Ein paar geschwollene Lymphknoten später stellte sich dann aber heraus, dass ich PfeiffrischesDrüsenfieber hatte und das schon eine geraume Zeit. Ich kann mich noch heute über die Ärztin aufregen, denn den Verdacht hatten wir schon, als wir zu ihr kamen, aber sie wollte es nicht hören.

Die Suche nach der Ursache

Bis es dann tatsächlich diagnostiziert wurde, hatte ich es schon längst verschleppt und mich natürlich nicht 4 Wochen im Bett geschont, wie es bei Drüsenfieber vom Arzt vorgeschrieben wird. Leider gibt es für diese überaus ätzende Krankheit nämlich keine Medizin. Ich habe dann jedenfalls den ersten Monat nach dem Abi mit geschwollener Leber und Milz Zuhause im Bett verbracht, weil ich und mein Immunsystem kräftemäßig komplett am Ende waren. Jeder Schritt hat mich angestrengt. Am schlimmsten war allerdings, dass ich kein Fieber hatte, mein Körper und Kopf wollten aufstehen, aber ich konnte nur ein paar Schritte tun und musste wieder ins Bett. Nach und nach konnte ich wieder mit dem Hund kleine Runden auf dem Deich drehen, die dann Woche für Woche wieder länger wurden.
 
Komplett erholt habe ich mich von dem Drüsenfieber aber tatsächlich erst nach 2 Jahren. Ich war in der Zeit überhaupt nicht belastbar und in stressigen Situationen nach wie vor schnell erschöpft. Ohne Mittagsstunde war ich abends nicht zu gebrauchen und oft ist es vorgekommen, dass ich auf Parties plötzlich mit dem Kopf auf dem Tisch eingeschlafen bin. Als junges Mädchen, das raus in die Welt gehen und so wenig wie möglich schlafen will, war das ein total blödes Gefühl, ständig kraft- und lustlos zu sein,  aber ich konnte nichts dagegen tun. Viele Freunde haben das nicht verstanden, auch mein damaliger Freund nicht. Er hat mir Druck gemacht anstatt Verständnis dafür zu haben. Ich kann es ihm nicht verübeln, ich war sehr launisch und hatte starke Stimmungsschwankungen, wusste dabei aber selber nicht, was mit mir los war und habe mich immer weiter zurückgezogen, mich niemandem mitgeteilt, alles in mich hineingefressen
 
Vor dem Abi hatte ich Pläne. Ich wollte Musical studieren und hatte mich für einen Workshop in Hamburg angemeldet, der eine Aufnahmeprüfung beinhaltete. Ich musste ihn nach der Hälfte abbrechen. Ich habe mir eingeredet, dass es an den anderen lag. Daran, dass es nicht meine Welt ist. Dabei war ich in Wahrheit körperlich zu schwach und psychisch überhaupt nicht belastbar. 

Mein Jahr mit der Einsamkeit 

Es musste also ein anderer Plan für mein Jahr nach dem Abi her. Für Uni-Bewerbungen oder Ausbildungen, wie es alle meine Freunde gemacht hatten, war es zu spät. Alle waren auf ihrem Weg. Und ich wollte nur noch weg. Also bewarb ich mich für ein AuPair-Jahr in Frankreich. Ich habe dann 10 Monate am Atlantik im Baskenland bei einer reichen altfranzösischen Familie verbracht. Leider das nächste Desaster. Die Gegend war wunderschön und das Anwesen auch, aber leider hatte ich durch die einsame Wohnlage bedingt keine sozialen Kontakte und niemand gleichaltriges, mit dem ich mich austauschen konnte. Für die Familie war ich nur Mittel zum Zweck, ich war da, um die Kinder zu erziehen und 24/7 zu betreuen. Die Eltern haben sich nicht für sie, sondern wenn dann nur für ihre Noten, interessiert. Ich habe in dieser Zeit viel für mich gelernt und bin enorm an mir und meinen Fähigkeiten gewachsen, aber rückblickend weiß ich nicht, wie ich es dort so lange aushalten konnte.
 
Mir ging es nicht gut, ich habe täglich geweint und war zu viel alleine.
 
Hinzu kamen die Beschwerden wie starke Müdigkeit und Übelkeit nach dem Essen, was in Frankreich ja auch wirklich anders ist. Viel, viel Weizen, süße Dinge und Fleisch, so wie späte Essenszeiten. Es war eine harte Zeit, aber dadurch, dass ich so viel alleine war, lernte ich, mit mir selber auszukommen. Ich fing an, genau auf mich zu hören und kam zurück mit einem guten Gespür dafür, was mir gut tut und was bzw. wer nicht. 
 
Ich fing an in Trier Lehramt Französisch und Philosophie zu studieren, was ich aber nach einem Jahr wieder abbrach. Zu theoretisch, zu wenig praxisorientiert. Meine Leidenschaft für die Sprache und das Philosophieren kam viel zu kurz und wurde von Sprachtheorie und trockenen philosophischen Schriften erstickt. Außerdem hatte ich unheimliches Heimweh, denn was ich mir nicht eingestehen wollte: mir fehlte meine Heimat, der Norden. Ich hatte mir auch eine neue Idee in den Kopf gesetzt: ich wollte meiner ersten Leidenschaft, der Musik nachgehen und das wollte ich beim Radio machen. Also folgten zwei Redaktionspraktika bei zwei verschiedenen Sendern im Norden. Leider auch nichts für die Ewigkeit, aber trotz allem eine sehr wichtige Zeit. 

“Du brauchst Hilfe!” 

Nach wie vor ging es mir seelisch und körperlich nicht gut. Doch besonders seelisch. Ich befand mich in einer tiefen Sinnkrise. Habe meinen Slalom-Lebenslauf als Schwäche angesehen und wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Die Stimmungsschwankungen wurden immer stärker und ich fiel in ein tiefes Loch, aus dem ich selber nicht mehr rausgekommen bin. Es gab Momente, da wusste ich nicht, was ich im Leben will. Ich hatte mir angewöhnt, mit einer Maske auf dem Gesicht rumzulaufen, die allen sagt: Es geht mir klasse, ich bin dieselbe Frohnatur wie immer. Dabei sah es in mir ganz anders aus. Es gab keinen Tag, an dem ich nicht weinendzusammengebrochen bin. Aber ich habe mich niemandem geöffnet und mitgeteilt, ich wusste nicht, wie ich erklären soll, wie es mir geht. Dazu die undefinierbaren körperlichen Beschwerden. Meine Familie hat alles abbekommen, sie waren mein Ventil und haben viele meiner Stacheln mittragen müssen. Ich bin so froh, dass meine ältere Schwester mich einmal in einem heftigen Streit angeschaut hat und gesagt hat: „Es stimmt was nicht. Dir geht es ganz und gar nicht gut. Du brauchst Hilfe, ich schaffe das nicht alleine.“
 
Ich bin ihr dafür so dankbar.
 
Ich bin dann knapp ein Jahr lang zwei Mal wöchentlich zu einer tollen Therapeutin gegangen, mit der ich viel aufgearbeitet habe. Von einem Freund meiner Eltern habe ich dann das erste Mal von „Histaminintoleranz“ gehört, als er von meinen Beschwerden hörte. Zudem Zeitpunkt habe ich mich schon sehr bewusst und gesund ernährt, hatte aber trotzdem immer stärker werdende Beschwerden. Der Freund war selber von HIT betroffen, lebt aber in der Schweiz, wo es schon viel mehr Forschungen zu dem Thema gibt. Er hat mich ermuntert, mal 3 Monate histaminfrei zu leben und dann die Gegenprobe zu machen. Ich war total von den Socken – schon nach zwei Wochen ging es mir deutlich besser und nach und nach verschwanden die Beschwerden. Es fiel mir anfänglich schwer, besonders auf süße Sachen zu verzichten, aber der Körper hat sich so schnell an den Verzicht gewöhnt, dass ich bald gar keinen Heißhunger mehr auf Süßigkeiten hatte.
 
Gemeinsam mit der Gesprächstherapie und der neuen Ernährung habe ich dann langsam wieder zurück ins Leben gefunden. Das hört sich jetzt so dramatisch an, ich habe es aber wirklich so empfunden. Ich konnte wieder auf mich hören und war nicht abgelenkt von bösen Gedanken und grummelndem Magen. 

Warum ich?

Ich entschied mich dann für ein Studium in Hamburg: Bildung und Erziehung in der Kindheit, ein sehr praxisorientiertes Studium. Ein Bestandteil dieses Studiums ist es auch, seine eigene Kindheit mit einer systematischen Familientherapeutin aufzuarbeiten, was ich für sehr wichtig halte und sehr aufschlussreich für mich war. In Hamburg habe ich mir dann auch einen von zwei (!!) Ärzten gesucht, die auf Histaminintoleranz spezialisiert sind, denn nach wie vor war meine Unverträglichkeit in den Augen von vielen ein Hirngespinst. Mit dem Arztbesuch kam dann die Erlösung: Ja, Sie haben eine Histaminintoleranz. Natürlich war da auch erst mal Wut und Trauer.
 
Warum ich? Kann ich denn jetzt mein Leben lang gar nichts mehr essen? Aber die Erleichterung überwog, denn ich wurde ernst genommen. Ich hatte mir die Beschwerden nicht eingebildet. Ich war nicht verrückt. Das war ein unfassbar gutes Gefühl. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wann alles angefangen hat. Mir ging es psychisch schon eine lange Zeit nicht gut und statt mich jemandem mitzuteilen, habe ich alles runtergeschluckt, wie lange, kann ich gar nicht sagen. Ich kann mich nicht erinnern. Ich habe so lange gegen mich gearbeitet, dass irgendwann mein Körper keinen Ausweg mehr wusste. Das ist meine Theorie. 

Heute geht es mir wieder gut 

Im Nachhinein finde ich es sehr spannend, dass ich viele Dinge, die ich wegen der Unverträglichkeit nicht vertrage, nie mochte, schon als Kind nicht. Dinge wie Sekt, Wein, Kaffee, Tomaten, Orangen, Zwiebeln, Avocado, Aubergine, … 
 
Es gibt also noch viel zu lernen und viel herauszufinden, ich bin noch lange nicht am Ende und entdecke jeden Tag etwas Neues.
 
Klar, oft bin ich frustriert und würde gerne wie jeder andere Student mal ein Bier trinken, essen gehen oder mir verkatert eine Pizza bestellen, aber ich koche und backe so tolle Sachen, esse genauso viel wie sonst und lebe dabei bewusst und gesund und, was am wichtigsten ist: Mir geht es gut. 
 

Willst auch du deine Geschichte erzählen? 

 
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